Mein Senf dazu

An dieser Stelle werde ich in unregelmäßigen Abständen mal den einen oder anderen Bericht darüber schreiben, wie ich einzelne Arbeiten angehe. Profis kann ich sicherlich nichts neues erzählen, aber es gibt ja auch noch Leute, die so eine Restaurierung als reines Hobby durchziehen. Wenn etwas Hilfreiches dabei ist, freue ich mich. Wenn nicht, könnt ihr euch zumindest über mein Unvermögen amüsieren.

Natürlich versteht sich dieser Abschnitt nicht als Anleitung, und ich übernehme keinerlei Garantie, daß die beschriebenen Vorgehensweisen zu erstklassigen Ergebnissen führen. Ich trage auch keine Verantwortung für irgendwelche finanziellen oder gesundheitlichen Schäden, wer sich nicht sicher ist, ob seine körperlichen oder geistigen Fähigkeiten zur Nachahmung ausreichen, lässt es besser.

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Rost

Chemische oder mechanische Keule?

Rost ist der altböse Feind der Oldtimergemeinde. Er schleicht sich in jede Ritze, ist hartnäckiger als die Zeugen Jehova und verbreitet sich schneller als ein Meme. Das große Ziel ist seine Bekämpfung bis zur Wurzel mit anschließender Versiegelung für die Ewigkeit. Das ist allerdings nicht so einfach. Polemisch könnte man sagen, dieses Ziel läßt sich nur erreichen, wenn man die Karosserie in alle ihre Einzelteile zerlegt, ins Säurebad taucht, verzinken läßt und sie danach wieder zusammenschweißt.

Leider ist dieser Weg nicht einmal für die höchstpreisigen Oldtimer wirtschaftlich zu vertreten, selbst wenn man jemanden finden würde, der sich auf die Arbeit einläßt. Der momentane Stand der Technik ist sicher die Tauchbadentlackung mit darauffolgender KTL-Grundierung. Persönlich kann ich nichts dagegen sagen. Alle Autos, die ich zu Gesicht bekommen habe und die diese Prozedur hinter sich hatten waren perfekt für ein langes Leben vorbereitet. Sicher, in Bördeln saß hie und da noch etwas Rost, aber um das zu vermeiden: Siehe oben. Und sicher ist es besser als alles, was man mit Strahlmedien und Hohlraumsonden hinbekommt. Das Gerücht, KTL würde, wie galvanisches Verzinken, in engen Bögen und Hohlräumen nicht funktionieren kann ich übrigens weitgehend entkräften. Bei allen Autos, die ich bisher gesehen habe, kam überall Grundierung hin. In engsten Bögen und Hohlräumen war sie an einigen Stellen dünn, aber vorhanden. Wahrscheinlich schlägt sich die dünne Grundierung, anders als das Zink auch ohne Strom nieder, aber fragt mich nicht...

Das Problem der KTL ist allerdings ihr Preis. Unter 5000 Euro habe ich noch nichts gehört. Und dazu kommt noch der Transport. Wir Lumpenproletarier müßen uns mit billigeren Lösungen bescheiden. Da schlägt dann wieder die Stunde der Sandstrahler. Aber mit Sand strahlt der Profi schon lange nicht mehr, das ist doll gesundheitsschädlich. In der Discountklasse ist es meist Korund. Für stabile Teile die gute Wahl. Der Rost ist danach weg, und auf der rauhen Oberfläche haftet die Grundierung wie der Teufel. Nachteil ist allerdings: Hohlräume sind nicht oder nur schlecht zu erreichen und dünne Blechflächen laufen Gefahr sich unter dem Ansturm der Korundkörner zu verziehen. Das hängt auch sehr vom Talent der strahlenden Person ab. Meine Bodengruppe hatte ich ja zum Sandstrahlen, die war danach tiptop. Ein weiterer Nachteil: Das Strahlgut hängt anschließend in jeder Ritze und läßt sich nie wieder komplett entfernen. Lagersitze und andere Stellen, die nicht von der, dem Sandstrahlen eigenen, großen Rauhtiefe profitieren müßen zudem akribisch geschützt werden. Das erweist sich dann im Nachhinein als nicht so ganz einfach, siehe die Riefen in der Kalotte meiner Halbachse. Ansonsten bin ich aber ein Freund des Verfahrens, denn es ist erstens recht preisgünstig und erspart einem zweitens eine langwierige Sisyphusarbeit. Wer schon einmal eine Bodengruppe oder einen Leiterrahmen mit der Drahtbürste entrostet hat, weiß wovon ich rede. Fazit: Ob man chemisch oder mechanisch entrostet ist in erster Linie vom Geldbeutel abhängig. Meine erste Wahl wäre immer das Tauchbadentlacken, in der Realität lasse ich strahlen...

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Mit der Hand entrosten

Mit der Hand zu entrosten funktioniert auch, ist allerdings anstrengend, langwierig und dreckig. Mittel der Wahl sind hier Drahtbürsten für Bohrmaschine oder Winkelschleifer, Reinigungsschleifscheiben (die berühmten Negerkekse) verschiedener Art und Schleifpapier. Beim Entrosten mit der Hand muß man vor allen darauf achten, den Rost auch zu entfernen. Das ist erst der Fall, wenn das Blech silbrig glänzt. Sieht man noch schwarze Stellen ist noch Rost vorhanden. Auch wenn die Stellen glänzen und wirklich vertrauenserweckend aussehen, hier hat man den Rost nur poliert und dort wird es anschließen als erstes wieder losgehen.

Sehr effektiv ist es, die Drehrichtung der Bohrmaschine umzudrehen. Die Drahtbürste arbeitet dann gegen den Strich und fetzt den Rost geradezu aus dem Blech. Aber vorsichtig: Erstens kann sich das Bohrfutter im Linkslauf aufdrehen und die Bürste mit schwung quer durch den Raum schießen. Zweitens krallt sich die Drahtbürste gegen den Strich wirklich ganz doll in das Blech. Lasst euch die Bohrmaschine nicht aus der Hand reißen.

Sandstahlen von Kleinteilen

Man kann Schrauben und andere Kleinteile auch prima Sandstrahlen. Würde ich allerdings nur mit einer Kabine machen. Und vielleicht nicht das gröbste Strahlmittel nehmen, aber funktioniert. Ist aber auch echt Zeitaufwendig.

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Rostumwandler

Das ist ein schon beinahe religiös besetztes Thema. Eigentlich tut man gut daran, gar nichts dazu zu schreiben. Ich mach's trotzdem :) Ich habe bisher nur zwei Rostumwandler benutzt: Fertan und Brunox Epoxy. Die funktionieren beide. Fertan muß von zu lackierenden Flächen wieder entfernt werden, das ist der Nachteil. Brunox kann (angeblich problemlos) überlackiert werden. Persönlich habe ich noch keine Langzeitversuche machen können, aber mir wurde von Profis versichert daß dies funktioniert. Und da Brunox mit Brunox Turbo-Spray den potentesten Rostlöser im Programm hat, der mir je untergekommen ist, benutze ich eigentlich nur noch Brunox Epoxy.

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Salzsäure

Gerade kleine, komplexe Teile mit schlecht erreichbaren Stellen wie Muttern, Schrauben und Federn entroste ich gerne in Salzsäure. Das geht schnell und wird sehr ordentlich. Und was da so im Bezug auf Wasserstoffversprödung etc. passiert kann ich leider nicht sagen. Ich würde bei Schrauben, an denen das Leben hängt, davon absehen. Vorher müssen die Teile allerdings sorgfältig entfettet werden, und Lack geht damit auch schlecht ab. Konzentrierte Salzsäure muß auch noch etwas verdünnt werden, dann wirkt sie besser. Und immer daran denken: Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure. Das gleiche gilt für Schwefelsäure. Und Handschuhe nebst Schutzbrille (am Besten Vollschutz für das Gesicht) sind zwingend notwendig!

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Elektrochemisches entrosten

Ein Napf mit Wasser, Natron, Elektroden und eine Autobatterie. Fertig ist die selbstgebaute Entrostungsanlage. Funktioniert 1A. Ist allerdings etwas aufwendig, weil man die Teile alle einzeln aufhängen muß. Und auch hier gilt: Keine Ahnung was man da für Schaden bei hochfesten Schrauben anrichtet.

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Rostschutz Stufe 1. Lack

Beim Lack setze ich auf einen konventionellen Lackaufbau mit 2-Komponenten-Material. Kein Spritzverzinken, keine großflächig aufgespritzte Kaltzinkfarbe. Klar, Schweißflansche behandle ich vorher mit Zinkspray, wenn es geht. Und nachher lasse ich auch verdünnte Zinkstaubfarbe oder Rostschutzgrund in die Falze laufen, aber das war's. Wichtiger ist die anschließende, sorgfältige Versiegelung der Schweißflansche mit Dichtmasse. Ich nehme nur noch Polyuretandichtmasse von Teroson, damit habe ich beste Erfahrungen gemacht. Die Dichtmasse immer auf die Grundierung, ganz wichtig! Und, wenn immer möglich, schweiße ich Reparaturbleche auf Stoß. Das erspart einem weitere Blechdopplungen und zusätzliche Rostherde.

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Rostschutz Stufe 2. Hohlraumschutz

Noch so ein religiöses Thema. Vorweg: Auch ich finde, das Systeme auf Fettbasis die besten Ergebnisse liefern. Ich nehme trotzdem Hohlraumwachs, und zwar aus folgenden Gründen: Fett macht eine Sauerei. Es muß heiß verarbeitet werden, überzieht die ganze Bude mit einem Fettfilm und quillt jahrelang aus allen Ritzen, wenn man es übertreibt. Und wenn man wider Erwarten doch noch mal ein Bauteil schweißen muß, hinter dem Fett ist, muß man das Fett im großen Umkreis komplett entfernen, sonst brennt es, oder versaut einem das Schweißbad.

Wachs läßt sich dagegen puppeneinfach verarbeiten und im Falle eines Falles auch recht einfach entfernen. Klar, Wachs neigt auf Grund der enthaltenen Lösemittel eher zur Rißbildung. Da die meisten Oldtimer aber sowieso nie wieder einen Wintereinsatz vor sich haben, leben sie auch mit Wachs im Hohlraum ewig. Und kontrollieren muß man auch Fettkonservierungen, also kann man bei der Kontrolle des Wachs' auch einfach ein wenig nachsprühen und fertig. Bei Militärfahrzeugen kommt noch dazu das Fett und matter Lack keine Freunde sind. In der matten Oberfläche verteilt sich das Fett nämlich erstklassig. Aber auch hier muß jeder nach seiner Facon glücklich werden. Es gibt ja auch noch Produkte aus Öl oder Wollfett, da kann man sich das schönste aussuchen.

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Unterbodenschutz

Früher war ja der Klassiker: Alt- oder Sprühöl auf den Unterboden spritzen und dann über den staubigen Feldweg nageln. Das wirkt, die entstehende Pampe schützt recht zuverlässig. Heutzutage hindern einen allerdings durchgeteerte Feldwege an der praktischen Ausführung. Außerdem kommt man für Altöl auf Unterböden sprühen in die Hölle. Heute benutzen wir lieber überlackierbaren Unterbodenschutz aus Kunstkautschuk. Von Bitumenhaltigen Sachen bin ich weg, in der Vergangenheit hat sich gezeigt, das sie eben doch reißen und unterwandert werden. Ich nehme auch hier Teroson, aber die nehmen sich alle nichts. Wer keinen Steinschlagschutz will, weil er Angst hat, beginnenden Rost zu übersehen, nimmt Saisonunterbodenschutz auf Wachsbasis. Meine Wahl ist Carlofon oder Tectyl, aber auch hier gibt es keine großen Unterschiede, wenn man mich fragt. Ich habe mal eine Zeit lang im Fahrzeugbau gearbeitet. Da haben wir bei manchen Fahrzeugen Carlofon Schutzwachs auf die Rahmen gesprüht. Einige, wenige dieser Fahrzeuge sind noch im Einsatz. Von Zeit zu Zeit bekomme ich mal eines im Berufsverkehr zu Gesicht. Die Rahmen sehen immer noch gut aus, obwohl sie bald ins 10. Jahr gehen.

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Unterbodenschutz entfernen

Der Unterbodenschutz des Kübels hat einen legendär schlechten Ruf. Er ist Zentimeterdick und taugt nichts. Okay, Zentimeterdick ist er, das sei zugegeben. Das er nichts taugt, will ich nicht bestätigen. Irgendwann war früher jede Art Unterbodenschutz am Ende, am ehesten die Bitumenmumpe, die zivil gerne mit dem Quast großflächig verteilt wurde. Natürlich war auch die PVC-Pampe der BW irgendwann am Ende. Aber wenn man sie abkratzt merkt man das relativ große Flächen unter ihr wie neu aussehen. Wohl doch nicht so schlecht. Aber abkratzen ist das Stichwort. Zäh ist das Zeug, und wie! Hier mal ein kleines Video, in dem ich dem Bundeswehr-Unterbodenschutz mit verschiedenen Mitteln zu Leibe rücke.

Kurze Erklärung: Zuerst versuche ich einen Schaber mit Rasierklinge, Danach einen Fein Multimaster mit Schaberklinge. Anschließend habe ich ein Holzsägeblatt in den Multimaster gespannt und dann ein Stechbeitel ausprobiert. Dann folgt die Lötlampe und der Spachtel, anschließend die Flex mit gezopfter Drahtbürste und zu guter Letzt die Bohrmaschine mit einer Edelstahl-Drahtbürste.

Persönliche Meinung: Am einfachsten und schnellsten geht das Abbrennen. Aber das ist gefährlich und giftig, man sollte echt vorsichtig zu Werke gehen. Wer sich fragt, warum ich nicht einen Heißluftfön benutze: Ist kaputt.Die Drahtbürsten folgen auf Platz 2, wobei die Flex etwas schneller geht, die Edelstahlbürste in der Bohrmaschine macht es am Saubersten. Schaber finde ich samt und sonders weniger gut, anstrengend ist es obendrein. Vielleicht gibt es noch welche die tauglicher sind, aber bei Ecken und Sicken funktionieren die nicht gut. Und mit dem Sägeblatt im Multimaster muß man höllisch aufpassen, damit man sich nichts kaputtnagelt.

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Vorderachse, gesandstrahlt

Sandstrahlen, die Erste: Die Achse wurde mit der Hand gestrahlt. Da sie so dermaßen Schrott war, lag sie schon einige Zeit herum. Deswegen der erneute, leichte Rostansatz. Normalerweise wäre sie direkt im Anschluß grundiert worden.

Detail Vorderachse

Wenn man nah ran geht, sieht man die extrem rauhe Oberfläche.

Motorhaube, gesandstrahlt

Diese Motorhaube wurde in einer Strahlanlage bearbeitet. Das ergibt eine sehr feine Oberfläche.

Detail Motorhaube

Noch mal von Nahem. Die Oberfläche sieht eher wie eloxiert aus.

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